Logo von 1200.ottonenzeit.de
Abenteuerteil: Die Hochzeit in Rom

Was in Bari geschah, erfahrt ihr im zweiten Teil des Abenteuers ... Nun erzählt Rebekka, was in Rom geschah:Rom als Ruinenstadt

Frühjahr 972 : Ankunft in Rom

Da näherten sich schon Reiter, die uns vor der Stadt entgegen kommen sollten. Es waren fränkische Krieger, stark gerüstet und gepanzert, aber viel wilder ausschauend als unsere eigenen Wachen. Angeführt wurden sie von einem jungen Mann, der griechisch sprechen konnte, wenn auch mit einem starken Akzent. Er stellt sich als Dietrich, Hodos Sohn, von Wettin vor. Sein Burgkaplan hatte ihm griechisch beigebracht. Begleitet wurde er von einer jungen Römerin, ihr Name war Maria di Carmel. Sie sollte uns die Stadt zeigen, wie Dietrich erklärte. Nachdem wir das von den Franken notdürftig mit Holz abgestützte Tor durchschritten hatten, sahen wir, was die Barbaren aus dem einst so blühenden Rom gemacht hatten - eine einzige Ruine! Menschen, wenn man sie so bezeichnen kann, ganz unterschiedlichen Aussehens gingen ihren Alltagsbeschäftigungen nach. Sie weideten ihre Schafe im Kolosseum und Prostituierte boten sich in ehemaligen Tempeln an. Um unseren Eindruck über Rom zu verbessern, zeigten Maria und Dietrich uns die kulturellen Errungenschaften, die die Franken erreicht hatten. Achtlos an allen alten Ruinen vorbeigehend präsentierte sie uns stolz jedes ihrer neu errichteten Gotteshäuser, langweilte uns mit zig Geschichten über die dort begrabenen Heiligen. Dietrich sah plötzlich nach dem Stand der Sonne und sagte dann:
"Es tut mit Leid, dass ich euch nicht noch den Leidensweg des heiligen Petrus  berichten kann, aber unser Kaiser Otto wartet. Und er neigt zu unkontrollierten Handlungen, wenn er zu lange wartet."
Er führte uns aus der Kirche hinaus durch ein paar verwinkelte Gassen zu einem alten Palast, in dem Ottos Pfalz errichtet war. Dort wurden wir ohne lange  Umschweife zu Otto I.geführt.
"Dietrich und Maria!!" brüllte Otto I "wo wart ihr solange? Habt ihr ihnen etwa wieder eure ganzen Märtyrer- und Heiligengeschichten aufgetragen?"
"Wir dachten doch nur...." stammelten die beiden so plötzlich attackierten.
 "Ihr sollt nicht denken !!!! Hab ich euch doch schon tausend Mal gesagt!!", brüllte Otto I weiter "Ich sagte: Zeigt ihnen im VORBEIGEHEN etwas, aber vertrödelt nicht den halben Tag!!! Und nun schert euch weg!!" Zu uns gewandt sagte er auf einmal ganz leise :
"Ihr dürft natürlich bleiben, meine lieben Gäste." Währenddessen  schlichen sich Dietrich und Maria mit gesenktem Haupt aus dem Raum. Der erste Otto, der Kaiser, schien ein strenger Herr zu sein. Wir waren gespannt, wie der kleine Otto, Otto II. sein würde. Aber vorher lernten wir noch Königin Adelheid kennen und die war noch strenger. Als wir vor sie traten, wussten wir gleich, dass mit ihr nicht gut Kirschenessen war.
"Wer ist den die da?", fragte sie in einem sehr abstoßenden Tonfall.
"Ich bin Theophanu, die Nichte des byzantinischen Kaisers.", antwortete unsere Herrin höflich. Sofort fiel Adelheid ihr ins Wort : "Na, da hört man es mal wieder, nur seine Nichte bist du und nicht seine direkte Nachkommin, stimmst du mir zu, Otto?"
"Passt trotzdem!" sagte Otto bestimmt. Diese Bemerkung schien sie völlig zu ignorieren.
"Sie ist weder hübsch, noch intelligent und zu jung ist sie auch!", schimpfte sie wütend.
"Also wenn du mich fragst, ist sie ganz in Ordnung.", meinte Otto in einem Ton, der keine Widerrede erlaubte. Adelheid drehte sich ruckartig zu unseren Begleitern um und fauchte sie schnippisch an :"Bringt sie auf ihre Gemächer!" Daraufhin verließ sie uns mit schnellen Schritten.
"Na, mit der wird meine Herrin noch viel Spaß haben", dachte ich.
"Ich werde Euch begleiten?", sagte Otto zu Theophanu.
"Gerne, aber wo werden wir übernachten?"
"In meiner Pfalz natürlich, also wenn Ihr mir bitte folgen würdet ?!" Der Kaiser brachte uns selbst dorthin. Ihm schien Theophanu zu gefallen. Theophanu folgte ihm und wir gingen hinterdrein. Die Pfalz war ganz annehmbar und unsere Zimmer waren auch in Ordnung. Man merkte auch an der Stimmung in der Pfalz, dass hier wichtige Ereignisse bevorstanden. Zum Einen das Osterfest, das in der ganzen Christenheit gefeiert wurde, zum anderen die Hochzeit unserer Herrin.

Kurz nach Ostern 972 : Hochzeit in Rom

Wir lebten eine Zeit lang auf der schönen Pfalz und der Tag der Hochzeit rückte näher und näher.  Es wurde die ganze Stadt, jedenfalls, soweit es möglich war, für die Osterfeierlichkeiten geschmückt. Wir schauten derweil, ob das Hochzeitskleid unserer Herrin die Reise gut überstanden hatte. Das Kleid war blau mit goldener Schleppe. "Es ist traumhaft", schwärmte Elisabeth.
Nach Ostern war es soweit. Der große Tag war gekommen. Aber vorher erwartete uns noch eine Überraschung. Nicht nur Theophanu sollte verheiratet werden, sondern auch wir Mägde. Als Otto uns schöne Byzantinerinnen gesehen hatte, hatte er uns sofort einigen verdienten jungen Vasallen versprochen. Franziska war darüber so empört, dass sie es vorzog, mit der byzantinischen Wachmannschaft nach Bari zurückzukehren und sie wurde von unserer Herrin in Ehren entlassen. Maria, die Römerin, die auch an diesem Tag den Ritter Dietrich heiraten sollte, stellte uns unseren Anwertern vor. Sie waren groß, jung und blondhaarig. Dennoch kam alles ganz anders. Denn Theophanu, die rasch in Ottos Gunst stand, setzte beim alten Kaiser durch, das sie ihre Dienerinnen behalten durfte. Als Ersatz für Franziska bekam sie Maria und Dietrich hatte das Nachsehen. Auch Johannes Philagatos, ihr Lehrer, blieb bei unserer Herrin.
Am Hochzeitstag trugen wir zu dritt die aufwendige Schleppe unserer Herrin und Theophanu wurde in der Basilika von St. Peter mit Ottos Sohn vermählt, der auch Otto hieß. Er war auf jeden Fall kein solcher Barbar wie sein Vater. Wir hatten ihn sogar lesen sehen.  Der damalige Papst persönlich traute das Paar. Aber überall standen die Getreuen Ottos mit blanken Schwertern. Sie trauten den Römern und dem römischen Klerus nicht. Das war zu merken. Sogar die deutschen Bischöfe trugen lange Messer zwischen den Falten ihrer Gewänder. Danach begannen die Feierlichkeiten. Wir waren hauptsächlich damit beschäftigt, unsere Herrin zu bedienen. Deswegen wollen wir die Tischsitten der Sachsen auch mit Schweigen übergehen. Seltsamerweise fühlte sich unsere Herrin ganz wohl.
"Hier benehmen sich die Menschen wenigstens wie sie sind. Wenn sie Schweine sind, siehst du sofort, sie sind Schweine. Es ist nicht so versteckt wie in Konstantinopel."
Und der kleine Otto gefiel ihr wohl auch gut, das war zu merken. Wir freuten uns schon auf den Hof der Adelheid in der Hauptstadt Pavia. Da war es hoffentlich nicht so verfallen und armselig wie in Rom.
Wie es auf der Reise nach Pavia zuging, berichtet Rebekka im nächsten Teil ...

Theophanus Hochzeit Dr. Seltsam merkte jedoch noch an: "Merkwürdig, dass Rebekka gar nicht angemerkt hat, dass der junge Otto und seine frisch angetraute Frau bei dieser  Gelegenheit zum Kaiser gekrönt worden waren. Auch war die Stadtmauer nicht in einen derartig schlimmen Zustand, denn die Päpste haben sie neu errichten lassen. Sollten sich die Chronisten so geirrt haben?"
Wir waren aus einem anderen Grund betroffen: Noch ein, zwei Jahre, dann waren wir genauso alt wie Theophanu zum Zeitpunkt ihrer Hochzeit in Rom. Würden wir uns dann vorstellen können, jemanden liebzuhaben und zu heiraten ? Ganz sicher nicht !

Inhalt:

Dokumentation (Weblinks):

Hochzeitsbeschreibung der Theophanu auf den Seiten des Netzwerkes für Wissensweitergabe
Die Hochzeitsurkunde der Theophanu

Bildquellen:

Die 1te Abb. stammt aus: Périn, Forni: So lebten sie zur Zeit der Völkerwanderung, Nürnbert, 1985, Seite  45.
Die 2te Abb. stammt aus: Bachini: Das Mittelalter, München, 2001, Seite 41, und wurde leicht für unsere Zwecke bearb. von der Bibinautika.

nach oben

www.1200.ottonenzeit.de  © 2005 Bibinautika Mail an Theophanus Reisebegleiter