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Geschichtsteil: Die Ottonen in Italien

Reliquien und Kaisertum

Der erste Ottone, von dem wir überhaupt Kenntnis haben, Herzog Liudolf, reiste bereits vor 846 nach Rom, um sich vom Papst Reliquien der Heiligen Anastasius und Innozenz geben zu lassen. Weder von Otto dem Erlauchten, noch von König Heinrich  sind Italienabenteuer bekannt. Beide, Herzog und König, waren ausreichend beschäftigt, ihre Machtpositionen zunächst in Sachsen und danach im Ostfrankenreich zu sichern und auszubauen. Das Übergewicht des Ostfrankenreiches, oder des Reiches der Sachsen und Franken, wie man es auch nennen könnte, führte zu Einflußnahme auf das Westfrankenreich, auf Burgund und Italien. Das stellte aber nicht die Grenzen, nimmt man Lothringen aus, in Frage.
Die Entscheidung von Otto I. 951 nach der italienischen Königswitwe Adelheid und damit der italienischen Königskrone zu greifen, war "etwas durchaus Neues" (nach Rudolf Schieffer). Aber erst auf dem zweiten Italienzug von 961 bis 965 gelang es ihm, auch die Kaiserkrone zu erhalten und das ottonische Reich bis an die byzantinischen Gebiete heran auszudehnen. Es scheint dem größten der Ottonen in Italien gefallen zu haben, denn bereits von 966 bis 972 weilte er wieder dort, führte Krieg und organisierte für seinen Sohn Otto eine byzantinische Prinzessin als Frau. Sicher war seine Rückkehr in sein Königreich nördlich der Alpen nicht als Reise in den Tod gedacht gewesen, aber wie wir heute wissen, sah er jeden Ort noch einmal, bevor er 973 in Memleben starb.

Ein Grab in Rom und "Theophanius imperator augustus"

Otto II. und Theophanu hatten viel zu tun, um die lange Abwesenheit von Otto I. im Reich auszugleichen. Die Grenzen mußten in Lothringen und in Schleswig offensiv verteidigt werden. Der Gegner im eigenen Lande war ein eigener Verwandter, nämlich Ottos Vetter Heinrich der Zänker. Auch dieser mußte bezwungen werden, bevor an die Angelegenheiten in Italien gedacht werden konnten. Otto II. unternahm seine Italienreise von 980 bis 983 und er sollte dabei eine Schlacht verlieren (Cotrone in Kalabrien gegen die Araber) und ein Grab in Rom finden.
Der Slawenaufstand 983 und die Absicht Heinrich des Zänkers, die Herrschaft im Ottonenreich zu übernehmen, erforderte die Anwesenheit der Kaiserinnen Adelheid und Theophanu im Reich. Adelheid zog sich bald wieder nach Italien zurück. Nachdem Kaiserin Theophanu im Reich Ordnung geschaffen hatte, begann sie auf ihrem Italienzug 988 bis 990 auch dort die ottonische Herrschaft zu stabilisieren und urkundete sogar selbstbewußt mit dem männlichen Kaisertitel
"Theophanius imperator augustus".  Die Byzantinerin auf dem Ottonenthron kehrte 990 in das Reich nördlich der Alpen zurück und starb dort 991 unverhofft, was ihre Erfolge in beiden Königreichen wieder in Frage stellte, denn Otto III. war noch zu jung, um zu regieren. Da übernahm die alte Kaiserin Adelheid bis 994 noch einmal die Herrschaft und regierte im Namen ihres Enkel. Als angestammte Königin von Italien blieben auf diese Weise die Reiche verbunden.

Ein römischer Kaiser und der König von Pavia

September 994 endete Adelheids Vormundschaft mit der Schwertleite von Otto III. Der fünfzehnjährige König zog bereits 995 in Richtung Rom, ließ sich in Pavia zum König von Italien krönen, bestimmt dort einen neuen Papst, Gregor V., und erhielt von diesen ersten Deutschen auf dem Thron Petris 996 rasch die Kaierkrone. Wie sein Vater wollte auch Otto III. eine byzantinische Prinzessin heiraten und in Rom sollte das Zentrum seines Reiches entstehen. Otto aber als italienischen Kaiser betrachten zu wollen, geht fehlt. Bereits 996 kehrte er wieder nach Deutschland (Ostfrankenreich) zurück. Die Köngsherrschaft in eben diesem Gebiet lockerte sich und entgegen kaiserlicher Pläne entzog sich Italien  immer mehr jeglicher Kontrolle. Noch 997 konnte Otto Rom brutal befrieden und seinen Lehrer nach Gerbert von Aurillac 999 als Papst Sylvester II. einsetzen, aber 1001 vertrieb ein Aufstand den römischen Kaiser ottonischer Herkunft aus eben der Stadt, in der er eine neue Herschaft hatte errichten wollen. 1002 starb der Sohn  der Theophanu  in der Burg Paterno verlassen von seinen Getreuen, bis auf den Kölner Erzbischof, der ihn als einziger rechtzeitig erreichte.
Heinrich der II., Sohn Heinrich des Zänkers, und letzter Ottone, behandelte Italien pragmatischer als sein halbbyzantinischer Verwandter. Die Sicherung Deutschlands war ihm zunächst am wichtigsten, wenn er sich auch an der Ostgrenze gegen Polen festbiß. Auf seinem ersten Italienzug 1004 ließ er sich in Pavia zum König von Italien wählen und setzte vertrauensvolle Männer ein, die die Aufständischen in Oberitalien in Schach halten konnten. Erst 1014 wandte er sich wieder Italien zu. Der Zug nach Rom mit anschließender Kaiserkrönung hatte nur eben diese in Sinn und wichtiger war ihm, seine Macht in Oberitalien zu festigen. Erst 1020 bis 1022 war Heinrich II. wieder in Italien, um auf päpstliche Veranlassung einen byzantinischen Angriff abzuwehren, der fast Rom selbst erreicht hätte. Aber der Sieg gegen die Byzantiner ließ an keine dauerhafte Herrschaft der Ottonen in Süditalien denken, der Mann aus Bamberg wußte das und zog sich bald wieder nach Deutschland zurück.

Warum Italien und die Kaiserkrone ?Otto I., Otto II. in Mailand

Mit dem Italienzug von Otto I. und dem Griff nach der Imperatorenkrone wurde die deutsche Königskrone sakral überhöht und dem Papst an die Seite, wenn nicht gar zeitweise über ihn gestellt.  Das er als Kaiser über seine Königreiche (Deutschland, Burgund, Italien) herrschen wollte, ist einzusehen und passt vollständig zur Person des grossen Otto. Angestrebt wurde aber nicht nur ein deutsches Kaisertum, sondern ein römisches und das hing an der Stadt Rom und Italien. Die Herrschaft über Italien wurde damit zum Segen und zum Fluch zugleich.

Inhalt:

Textquellen:

Grundlagen und Anfänge Deutschlands bis 1056 / Friedrich Prinz, München : Beck, 1993
Otto der Grosse: Magdeburg und Europa I. : Essays, Ausstellungskatalog, Mainz, 2001.

Bildquellen:

Otto I. und Otto II. (?) beten Christus auf dem Altar-Ciborium, S. Ambrogio in Mailand aus Otto der Grosse: Magdeburg und Europa I. : Essays, Ausstellungskatalog, Mainz, 2001. Bearb. des Bildes durch die "Bibinautika".

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