Der Handel im
Mittelmeerraum überlebte den Zusammenbruch des (west-) römischen
Imperiums, der Schiffsverkehr war in der Völkerwanderungszeit
und dem Frühmittelalter rasch wieder so umfangreich wie zuvor,
allerdings erheblich unsicherer. Trotz der vielfältigen Gefahren wie
Piratenüberfälle und Schiffbruch wählten Händler und Privatreisende oft
lieber den Seeweg als die gefährlichen und verfallenen Landwege. Denn
auf dem Meer, besonders im östlichen Mittelmeer, lebte das römische
Reich in Form der byzantinischen Handels- und Kriegsflotte weiter. So
waren es nicht nur die bis ans Ende des Spätmittelalters fast
unbezwingbaren Mauern von Konstantinopel, die den Oströmern Rückhalt
gaben, sondern auch ihre Herrschaft zur See, die vom 6. bis 10.
Jahrhundert andauerte, danach abgelöst von den italienischen
Seerepubliken. Erst als Kaiser Andronikos II. 1280 die byzantinische
Kriegsflotte abschaffte und sich in völlige Abhängigkeit der Seemacht
der Genuesen begab, war das Ende des byzantinischen Reiches schon
abzusehen. Das war aber das Ende einer Entwicklung. Zur Zeiten von
Theophanu hatte es noch ganz anders ausgesehen:
Fortentwicklung der römischen Seemacht
als Garant für Handel und Frieden
Die Römer waren keine Seefahrer, für sie waren die Kriegsschiffe
bessere Truppentransporter. Kriege wurden auf dem Land
entschieden. Ganz anders agierten die griechischen Byzantiner. Sie
entwickelten ihre Flotte nach
dem Zusammenbruch der römischen Landmacht als Garant für den Bestand
oströmischer Provinzen und den friedlichen Handel im Mittelmeer. Als
Beispiel wäre der Zusammenschluss von griechischen, ägyptischen,
jüdischen und syrischen Händlern zu nennen, die in Alexandria (Ägypten)
Schiffe charterten, welche dann in regelrechten Geleitzügen, die von
den Kriegsschiffen der byzantinischen Flotte begleitet wurden wurden,
nach Kontantinopel, nach Italien oder ins westliche Mittelmeer bis nach
Spanien unterwegs waren. Selbst das maurische Emirat in Córdoba
und das christliche Königreich Asturien profitierten so von
byzantinischen Erzeugnissen und Handwerkern.
Auch die Renaissance römischer Macht im Mittelmeerraum war so völlig
auf die Kriegsflotte ausgelegt und ermöglichte den Bestand von
Provinzen, die z.T. weit entfernt z.B. in Spanien, auf Sizilien, in
Nordafrika, in Süditalien lagen. Gegner wie Westgoten und Araber
konnten nur bestehen, indem sie ihrerseits Kriegsflotten erschufen,
dies jedoch nur dank byzantinischen Abtrünnigen, gekauften Handwerkern
oder Sklaven.
Ein neuer Schiffstyp und ein neue Waffe
Möglich war diese Seeüberlegenheit der Byzantiner, die Araber, Wikinger
und wäringische Rus gleichmaßen in Schach halten konnte, durch einen im
6. Jhd. neuentwickelten Kriegsschifftyp, den
Dromon (griech. "Läufer"). Zum
ersten Mal erlebten die Dromone ihre Feuertaufe bei der Belagerung
Konstantinopels durch die Araber im Jahre 678. Ausgerüstet mit
"Flammenwerfern", die "griechisches Feuer" (von den Griechen selbst
"flüssiges Feuer" oder Seefeuer genannt, dessen Geheimnis in der
Spätzeit von Byzanz lt. dem Lexikon des Mittelalters verloren ging)
versprühten, durchbrachen
die byzantinischen Dromone den Ring der arabischen Belagerungsflotte
und fügten den Angreifern eine fürchterliche Niederlage bei. Seitdem
waren die Dromone sozusagen standartmäßig mit dem "griechischen Feuer"
ausgestattet. Dank seiner Wendigkeit löste der Dromon die noch aus der
Antike stammende gr.-römische Galea ab. Das Lexikon des Mittelalters
beschreibt den Dromon folgendermaßen:
... Im 10. Jh. verfügte der Dromon über
Deckkastelle und hatte bis zu 300 Mann Besatzung (darunter 230 Ruderer
in zwei Rudererebenen). Unter dem Vorkastell befand sich der Syphon
(Anlage zum Schleudern des Griech. Feuers. Länge des Dromons: bis zu 50
m, Breite ca. 5,5 m, Länge der Riemen: untere Reihe bis 4,50 m, obere
Reihe bis 7 m, Geschwindigkeit (im Gefecht): bis zu 7 Seemeilen.
Navigatorisch muß der lange, flachbodige Dromon empfindlich, der
Einsatz vom günstigen Wetter abhängig gewesen sein...
... Die byz. Schiffe hatten einen Mast oder zwei Masten sowie zwei
Steuerruder an den Heckseiten. Einen dritten kleineren Mast besaßen
möglicherweise die Großdromone.
Großdromone waren zudem mit Katapulten und Wurfmaschinen mit einer
Reichweite von bis zu über 700 Metern ausgestattet.
Der letzte Triumph und Vergessen
961 gelang der byzantinischen Flotte die Rückeroberung des von den
Arabern besetzten Kreta. Neben umfangreichen Operationen an der
levantinischen Küste und der Eroberung von Zypern war dies wohl der
letzte Triumph der
byzantinischen Seemacht. Sicherlich waren an diesen Angriffen Dromone
und Großdromone in erster Linie beteiligt.
So gehen wir davon aus, dass auch Theophanu und
ihre umfangreiche und wertvolle Mitgift von Dromonkriegsschiffen nach
Bari gebracht worden ist.
Im elften Jahrhundert sind noch Flottenoperationen der Byzantiner wie
z.B. der 1154 erfolgte Entsatzangriff auf die Normannen bei Bari, der
scheiterte, zu verzeichnen. Aber im 12. Jahrhundert scheint die Flotte
keine große Rolle mehr gespielt zu haben. Der Niedergang wird greifbar,
denn als 1203-04 Konstantinopel von Venizianern und Kreuzfahrern
angegriffen
wurde, gab es keine nennenswerte byzantinische Flotte mehr, die die
Stadt vor der Eroberung beschützte, weder griechisches Feuer, noch
Großdromone kamen zum Einsatz. Diese einst überlegenen Waffen schienen
inzwischen vergessen. Die bereits erwähnte Abschaffung der Flotte 1280
machte mit den stolzen Dromonen endgültig ein Ende. Bei jeglicher
Darstellung der Geschichte der Seefahrt ist bis heute das
frühmittelalterliche Wikingerschiff überbewertet und das Hightechschiff
derselben Zeit aus Byzanz, der Dromon, unterbewertet, wenn er
überhaupt auftaucht.