Es ist erlaubt, über die Rolle Byzanz zur
Zeiten
Theophanus unterschiedlicher Meinung zu sein: Spricht Franz Georg Maier
in der Fischer Weltgeschichte von der "makedonischen Renaissance" und
einem "Zeitalter der inneren Festigung und kulturellen
Blüte", so denkt Herr Lilie in seiner kurzgefassten Byzanz-Abhandlung
aus
der Reihe C.H.Beck Wissen kritischer darüber: Byzanz sei lediglich eine
"regionale Vormacht" gewesen, hätte in dieser Zeit von den günstigen
Umständen profitiert und gerade im Verhältnis zu den Bulgaren sei
es
bezeichnend, daß Byzanz selbst diesen kleinen
Staat nur nach langen Kämpfen und mit größter Mühe unterwerfen konnte.
So großartig kann die gepriesene Stärke der Byzantiner also eigentlich
nicht gewesen sein.
Auch kulturell mußte das oströmische Reich in
dieser mittelbyzantinischen Epoche kleinere Brötchen backen. Nehmen wir
ein Beispiel aus der Architektur. Wurde in der Hagia Sophia (532 - 37)
die Antike vollendet oder noch übertroffen, so führt Arne Effenberger
in "Archäologie in Deutschland" aus:
In der mittelbyzantinischen Epoche entstand in
Konstantinopel ein gänzlich neuer und sehr viel
bescheidener Kirchenbautypus, die Kreuzkuppelkirche.
Bevor wir nach dieser Einführung einen kurzen
Abriß der mittelbyzantinischen Epoche präsentieren, gönnen
wir uns zunächst einen Blick auf die
Landkarte des byzantinischen Reiches
ca. 972:

Die Gebiete, die zur Reisezeit Theophanus von den Byzantinern
beherrscht wurden, wurden
von uns blau unterlegt.
Von Basileios I. bis Alexander
867 - 913
Es
begann mit einem Mord: Der Mitkaiser von Michael III., Basileios, ließ
seinen Förderer und rechtmäßigen Throninhaber am 24. September 867 nach
einem Gelage im Palast beseitigen und wurde selbst Kaiser.
Basileios verfolgte nach
anfänglichem Zögern weiter eine eigenständige Kirchenpolitik
Konstantinopels gegen Rom. Militärisch konnten Adriastädte entsetzt,
Süditalien gehalten und Vorstöße in Kleinasien unternommen werden. Der
Kaiser förderte die Bildung und begann eine lange notwendige
Justizreform: Das noch zu Zeiten Justinians in Latein kodifizierte
Recht musste den neuen gesellschaftlichen Bedingungen angepasst werden.
Basileios I. verunglückte 886 bei einem Jagdunfall tödlich, hatte
seine Söhne
Leon und Alexander jedoch bereits früh an der Regierung beteiligt,
daher gab es bei der Nachfolge keinerlei Unklarheiten.
Als Leon VI. trat der erste Sohn 886 die Herrschaft über Konstantinopel
und das byzantinische Reich an. Durch den vielseits gebildeten
Patriarchen Photias erzogen, hatte der neue Kaiser günstigste
Voraussetzungen, um Gesellschaft, Rechtsleben, Verwaltung und Armee auf
neue Grundlagen zu stellen. Etwas, was sein Vater bereits begonnen und
seine Nachfolger fortführen würden. Leon ging vor allem als Gesetzgeber
in die Geschichte ein, den Beinamen "Der Weise" trug er zu Recht. Da
kann es auch weise sein, die eigenen Gesetze (hier die Ehegesetze,
nachdem eine dritte Ehe verboten war) zu übertreten, um einen
Thronfolger zu zeugen und dem Reich Kontinuität zu geben. Dazu musste
León sogar viermal heiraten.
Militärisch ging Sizilien endgültig verloren, gegen die Bulgaren gab es
Niederlagen und bei den fortgesetzten Kämpfen gegen die Araber konnte
zunächst die Seeüberlegenheit der islamischen Geschwader nicht
gebrochen werden.
Als Leon 912 starb, war sein Sohn Konstantin erst 6 Jahre alt. Leons
Bruder Alexander übernahm deswegen zunächst die Kaiserwürde. Den
von
seinem Bruder entmachteten Patriarchen Nikolaos Mystikos gab er das Amt
zurück. Den Bulgaren unter Symeon verweigerte er Tributzahlungen, die
seit den Niederlagen von seinem Bruder vertraglich vereinbart worden
waren. Aber bevor Kaiser Alexander sein Reich gegen die Bulgaren rüsten
konnte, verschied auch er und Byzanz geriet in eine kritische Lage.
Zar Symeon, Romanos I. Lekapenos
und Konstantin VII. 913 - 959
413 hielt nur noch Patriarch Nikolaos Mystikos das Reich für den
Thronerben Konstantin zusammen, als der Bulgare Symeon mit seinen
Kriegern vor die Mauern von Konstantinopel vorstieß, angesichts
der Verteidigungsanlagen der Haupstadt aber Verhandlungen anbot.
Ursprünglich hatte Symeon
vorgehabt, den Thron von Konstinopel selber einzunehmen und Byzanz mit
Bulgarien zu vereinigen, nun musste er sich damit begnügen, vom
Patriarchen Nikolaos Mystikos zum Zaren von Bulgarien gemacht zu
werden, konnte sich durch das Verlöbnis seiner Tochter mit Konstantin
aber alle
Möglichkeiten offen zu lassen: Entweder für einen dauerhaften Frieden
oder für einen erneuten Griff nach dem Kaiserthron in der
byzantinischen Hauptstadt.
Nachdem die Kaiserin Zoe und die antibulgarischen Kräfte in
Konstantinopel Nikolaos Mystikos absetzen konnten, nahm dies Zar Symeon
zum Anlaß, 914 Thrakien zu besetzen, Adrianopel zu erobern und bis 923
fast ganz Griechenland zu verwüsten. Ein byzantinischer Gegenschlag
wurde vernichtend geschlagen.
In dieser heiklen Situation schrie alles nach einem "starken Mann". Die
von den Bulgaren geschlagenen Generäle kamen dafür nicht in Frage. So
war es der Oberbefehlshaber der Flotte, Romanos Lekapenos, der aus
bescheidenen Verhältnissen nun zum Mitkaiser (zeitweilig Hauptkaiser)
wurde und seine Tochter Helene dem jungen Kaiser Konstantin 919 zur
Frau gab, nachdem er Kaiserin Zoe und alle ihre Vertrauten aus den
Ämtern verdrängt hatte. Kaiser Romanos Lekapenos vermochte es auch,
militärisch das Blatt zu wenden. Zwar glückten ihm keine große Siege
über die Bulgaren, aber mit Hilfe von Ungarn, Serben und Kroaten gelang
es ihm, die Bulgaren hinreichend zu beschäftigen, während die
militärischen Erfolge im Osten mit der Einnahme Edessas gekrönt wurden.
Kaiser Romanos I. Lekapenos hatte eigentlich vorgehabt, eine eigene
Dynastie zu gründen, aber unerklärlicherweise schlug er nach dem Tod
seines Lieblingssohns Christophoros den legitimen Thronfolger
Konstantin VII. zum Hauptkaiser vor. Die übrigen Söhne stürzten
nun ihren Vater und verbannten ihn auf eine Insel im Marmarameer, wo er
vier Jahre später starb. Konstantin VII., dem niemand Ehrgeiz
zugetraut hätte, gelang es, die Aufrührer abzuwehren und mit der
Krönung seines Sohnes Romanos II. die Thronrechte seiner Familie
abzusichern.
Konstantin VII. setzte die Politik von Romanos Lekapenos fort.
Militärisch hielt er Frieden mit Bulgarien und setzte auf weitere
Expansion an
der Ostgrenze. Besonders die diplomatischen Anstrengungen des
Kaisers sind herauszustreichen: So bemühte er sich um freundliche
Beziehungen zum Kalifen in Córdoba, zu den Kiewer Rus und dem Reich der
Ottonen. Allerdings fiel den Byzantiner trotz eigener Einrichtung
eines bulgarischen Zaren die Anerkennung eines fränkisch-sächsischen
Kaisertums immer noch schwer.
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Zeitleiste:
867 - 886
Basileios I.
Anfang 10. Jh.:
- Endgültiger Verlust Siziliens an die Araber
- Bulgarische Expanision unter dem Zaren Symeon
- Allmähliches byzantinisches Übergewicht in Kleinasien, Rückeroberung
einst verlorener Gebiete.
886 - 912 Leon VI., der Weise
912 - 913 Alexander
913 - 959 Konstantin VII.
920 - 944 Romanos I. Lekapenos, Mitkaiser
959 - 963 Romanos II.
960 - 961 Rückeroberung Kretas.
963 - 969 Nikephoros II. Phokas: Verstärkte byzantinische Offensiven in
Kleinasien und Syrien
969 - 976 Johannes I. Tzimiskes
976 - 1025 Basileios II. :
Nach anfänglichen Bürgerkriegen und der erneuten Unabhängigkeit
Bulgariens Weiterführung der Expanision im Osten, erneute Unterwerfung
Bulgariens (bis 1014) und Konsolidierung der byzantinischen Position
auf dem Balkan, in Unteritalien und in Kleinasien.
1025 - 1028 Konstantin VIII.
1028 - 1034 Romanos III. Argyros
1034 - 1041 Michael IV.
1034 Zoe und Theodora
1042 - 1055 Konstantin IX. Monomachos
ab 50er Jahre Expansion der Normannen in Unteritalien und der
Seldschuken in Ostkleinasien.
1054 Schisma zwischen Rom und Konstantinopel.
1055 - 1056 Theodora (erneut)
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Die Epoche der Eroberungen 959 bis 1025
Begonnen hatte die Epoche der Eroberungen noch unter Romanos II. mit
der Eroberung von Kreta im Sommer 960. General Nikephoros Phokas, der
für diesen Sieg verantwortlich zeichnete, erhielt dank seiner Truppen
nach dem ungeklärten Tod Romanos II. die Kaiserwürde und setzte diese
Politik mit Operationen gegen Sizilien, in Syrien, an der bulgarischen
Grenze und mit der Eroberung von Zypern fort. Die Beziehungen zu den
Ottonen verschlechterten sich durch die Einflussnahme von Otto I. auf
Capua und Benevent und der angedrohten Eroberung von Bari. Pläne Ottos,
seinen Sohn mit Anna, der Tochter Romanos II., zu verheiraten, waren
damit einstweilen vom Tisch. Aber der General Nikephoros war als Kaiser
nicht beliebt und die Kaiserin Theophano, die bereits mit dem Tod ihres
ersten Ehemanns Romanos II. in Verbindung gebracht wurde, arbeitete an
seinem Sturz: General Johannes Tzimiskes übernahm die Ermordung des
Kaiser und erbte, aber erst nach Erledigung der strengen Bedingungen
des Patriarchen, u.a. die Verbannung Theophanos, das Amt seines
Vorgängers.
Drei außenpolitische Aufgaben hatte Johannes Tzimiskes zu bewältigen:
Die Fortführung des Krieges gegen die Araber mit Operationen bis nach
Palästina hinein, die Einverleibung Bulgariens in das Reich und eine
diplomatische Einigung mit den Ottonen. Zwar bekamen die Sachsen nicht
die pupurgeborene Anna, sondern nur die junge Nichte des Kaisers,
Theophanu,
ca, 960 geboren, aber sie gaben sich damit zufrieden und verzichteten
derart aufgewertet, und vielleicht auch von der reichen Mitgift
geblendet,
sogar auf den römischen Kaisertitel. Was Byzanz betraf, war
Otto I. nur Kaiser der Sachsen und Franken.
Basileios II. , einer der beiden Söhne von Romanos II., ist der letzte
der "Eroberungskaiser". Es gelang ihm nach einer schweren Zeit der
Bürgerkriege, Bulgarien erneut zu unterwerfen und die byzantinischen
Positionen in Kleinasien bzw. im Nahen Osten und in Unteritalien zu
konsolidieren. Basileios konnte sogar nach der Eroberung von Capua
sogar daran denken, einen erfolgreichen Feldzug gegen Sizilien zu
planen. Byzanz war stärker denn je, als er 1025 starb.
Das Ende der Dynastie 1025 - 1056
Konstantin VIII. und seine Töchter Zoe und Theodora bestimmten
maßgeblich das Ende der Dynastie mit. Maier, Autor des Bandes Byzanz
der Fischer Weltgeschichte, gelingt es, das innerpolitische Verderben
des Reiches kurz und prägnant zusammenzufassen:
Der fortschreitende Machtgewinn der
großgrundbesitzenden und ämterbeherrschenden Aristokratie hat
schließlich das Verschwinden der Bauern- und Soldatengüter zur Folge,
auf welche die früheren Kaiser Militärpotentiale und Steuerkraft des
Reiches gegründet hatten.
D.h. Byzanz hatte im 11. Jh. ein ernstes Strukturproblem, das die
Steuerkraft schmälerte und die Militärpotentiale verringerte.
Aber es gab auch äußere Feinde: Immer mehr normanische Söldnerführer
agierten in Süditalien, z.T. von Byzanz selbst angeworben und gerufen,
schlugen sich mal auf die eine, mal auf die
andere Seite. Es war nur eine Frage der Zeit, bis sie eigenständig
agieren würden. So eroberten die Normannen nicht nur von 1042 bis 1071
die byzantinischen Gebiete in Süditalien, sondern auch Sizilien, ja,
sie begannen sogar auf dem Balkan zu operieren. Die Balkanvölker
schüttelten zeitgleich die Vorherrschaft der Oströmer ab. Noch
gefährlicher: Seit 1055
operierten die turkstämmigen Seldschuken, die Vorfahren
der Türken, von Bagdad aus, hatten seit 1028 große Teile Vorderasiens
erobert und schlugen 1071 die Byzantiner bei Manzikert vernichtend,
womit Byzanz fast alle kleinasiatischen Gebiete mit einem Schlag
verlor. Die größte Gefahr für das schwächelnde Reich ging aber
vom aggressiven Kriegeradel des erstarkten Mitteleuropas aus, wie sich
in der Plünderung Konstantinopels durch die Kreuzfahrer 1204 bestätigen
würde. Ein Grundstein dafür war das große Schisma (Kirchenspaltung)
zwischen der griechisch-orthodoxen Kirche von Byzanz und der
römisch-katholischen Kirche 1054, hervorgerufen durch die
Unversöhnlichkeit beider Seiten bei, aus unserer Sicht heute, minderen
theologischen Problemen. Die endgültige Trennung der
römisch-christlichen Kirche in eine Ost- und eine Westkirche war
somit das letzte große Ereignis im Zeitalter der Theophanu.