Bari ist heute noch
Hauptstadt von
Apulien, Region in Süditalien, und hat dort bereits im Mittelalter eine
dominierende Rolle gespielt.
Apulien
Der Name Apulien leitet sich vom oskischen (Osker =
altitalisches und indoeuropäisches Volk) Stamm der Apuli ab. Die Region
war
aber bereits im Altertum stark von Griechen (seit 1000 v. Chr.)
kolonisiert. Apulien stand
zur Zeiten Hannibals (
Hannibal Barkas, karthagischer Feldherr, *
um 247 v. Chr. in Karthago; † 183 v. Chr. in Bithynien) auf Seiten der
karthagischen Angreifer gegen Rom. Mit geringen Grenzabweichungen
stellte später die augusteische Regio II. das heutige Apulien dar.
Oskische
und griechische Kultur spielten seitdem im römischen Apulien
einstweilen keine Rolle mehr. Zwischen 4. und 5. Jh. n. Chr. nahm die
Bevölkerung das Christentum an. Nach den Kriegen im Gefolge der
Völkerwanderung erlebte Apulien seine Blütezeit im Mittelalter unter
den Staufern, insbesondere unter Kaiser Friedrich II. (
26. 12. 1194 (Jesi, Mark Ancona) - 13. 12. 1250 (Castel
Fiorentino/Apulien). Apulien war der Lieblingsaufenthaltsort des großen
Staufers.
Bari
Bari ist ab 89 v. Chr. als römisches Castrum und Municipium unter den
Namen Barium nachweisbar. Ab 456 ist Bari als Bischofssitz bekannt.
Nach dem Ende des weströmischen Reiches und den Kriegen der
Völkerwanderungszeit gehörte Bari zum byzantinischen Machtbereich. Nach
einem langobardischen Zwischenspiel fiel Bari 847 in die Hände des
sarazenischen Söldnerführers Halfun, der hier ein eigenständigs Emirat
gründete, welches bis 871 Bestand hatte. Seitdem besaß die Stadt einen
arabischen Bevölkerungsteil, der noch im hohen Mittelalter vorhanden
war. 876 wurde die Stadt nach einem weiteren langobardischen Intermezzo
wieder byzantinisch. Bari wurde nun zur Hauptstadt des Thema
Longibardia. (Thema = Mittelbyzantinische Militär- und Zivilprovinz, an
deren Spitze ein Strategos, ein General, stand). Zwar griffen auch die
Ottonen nach Süditalien, konnten sich dort aber fern ihrer sächsischen
Heimat nicht behaupten. So belagerte Otto I. z.B. Bari im Jahre 968
vergeblich. Ein ähnlich schweren Angriff auf die Stadt unternahmen die
Sarazenen 1002, der nur durch das Angreifen von Truppen
aus Venedig unter ihrem Dogen Petrus II. Orseolo abgewendet werden
konnte.
Erfolgreicher als Ottonen und Sarazenen waren waren die schon im 10.
Jh. in Süditalien operierenden normannischen Söldner, deren Führer sich
ab 1040/1042 dranmachten, die süditalienischen Provinzen auf eigene
Rechnung zu erobern.1071 fiel ihnen auch Bari in die Hände und wurde
dem oströmischen Kulturkreis damit endgültig entzogen. Nur noch einmal
und zwar 1154
agierten byzantinische Truppen ím Auftrag von Kaiser Manuel I. Komnenos
noch einmal in Bari. Aber die Stadt unterlag den normannischen
Angreifern unter Wilhelm I. von Sizilien, der die Stadt bis auf Dom und
Basilika S. Nicola völlig dem Erdboden gleichmachen ließ.
Ein wichtiges Ereignis in der Stadtgeschichte fand 1087 statt.
Legendenhaft wird dies in der Heiligensammlung des Jacobus de Voragine,
der "Legenda Aurea", geschildert:
Danach über lange Zeit ward Myra von den Türken
zerstört. Es kamen aber sieben und vierzig Ritter von der Stadt Bari,
denen zeigten vier Mönche das Grab des Heiligen; und da sie es
auftaten, sahen sie sein Gebein in Öl schweben. Sie nahmen es und
brachten es in die Stadt Bari mit großen Ehren nach Christi Geburt im
Jahre 1087.
Die "Entführung des Heiligen Nikolaus" nach Bari zeigt an, wie sehr die
Bewohner von Apulien noch an oströmischen Traditionen hingen, zu denen
der Heilige Nikolaus unzweifelhaft gehört. Nun setzte aber eine
Entwicklung ein, die bereits von unserer Theophanu befördert worden
war: Nikolaus wurde zum allgemeinchristlichen Heiligen, dessen
Popularität bis heute anhält, und Bari wurde zum Wallfahrtsort, dessen
heilige Stätten selbst von den furchtbaren normanischen Rittern
verschont wurden. Auch war Bari die Stadt, in der die lateinische
Kirche in Rom 1089 auf einem Konzil unter Papst Urban II. noch
einmal den Versuch startete, sich mit der griechischen Kirche in
Konstantinopel zu vereinigen. Der Versuch schlug fehl, aber Baris
Bedeutung als Hafen wuchs durch die Kreuzzüge an.
In den unübersichtlichen Tagen der Minderjährigkeit des Staufers
Friedrich II. schlug sich Bari zunächst auf die Seite des Welfen Otto
IV., wechselte aber rasch die Seiten und wurde von Friedrich II., der
die strategische Bedeutung der Stadt erkannte, mit einer
Wiederherstellung der Burg, dem Bau eines neuen Hafens und eines
Marktes belohnt. Bari blühte wie ganz Apulien unter Friedrich II.
auf. Politisch wie kirchlich blieb Bari jedoch auf päpstlicher
Seite. Der Schritt wurde noch deutlicher, in dem man 1240 endlich die
ostkirchliche Taufformel durch die römische ersetzte.
Der Niedergang kam nach 1250 (Tod von Friedrich II.) unter dem Haus
Anjou, das von Neapel aus regierte. Unter Johanna I. wurde die
Stadt 1349 von deutschen und ungarischen Truppen belagert und
geplündert. Ständig wechselten die Herren der Stadt, eine
Eigenständigkeit, wie viele andere Städte im Spätmittelalter, konnte
Bari nicht erreichen. Auch unter den Aragonesen, die ab 1442 das
Königreich Neapel regierten, besserte sich die Situation von Bari
nicht. Durch die Kämpfe zur Zeiten von Ferdinand I. (1458 bis
1494), der gegen die letzten Parteigänger des Hauses von Anjou und
gegen die Türken, die 1480 Otranto eroberten und plünderten,
Krieg führte, verschlechterte sich die finanzielle und wirtschaftliche
Situation der Stadt noch weiter.

Erst die
Neuzeit
brachte einen Aufschwung der Stadt mit sich.