
Abenteuerteil: Aufbruch in
Konstantinopel
In der
Vorgeschichte wird erzählt, wie uns Dr. Seltsam ein altes
Manuskript vorstellt, dort erzählt die Magd
Rebekka:
Es war noch zu Beginn des Herbstes,
die Stadt erholte sich von der Sommerhitze, als unsere
junge Herrin Theophanu uns zu sich rief und eine schlechte Nachricht
offenbarte:
"Seid tapfer, meine lieben Mägde, ich komme eben vom Kaiser und er
befahl mir nach Italien zu gehen."
Wir erschraken zutiefst, denn wir dachten, unsere junge Herrin wäre
beim
Kaiser des römischen Reiches in Ungnade gefallen und
müßte nun ihr Dasein im Exil in den süditalienischen Provinzen
fristen. Und wir mussten mit! Ich dachte, es könnte ja
sein, dass sie einen süditalienischen Strategen (General) heiraten
müsste. Dennoch, es wäre die Provinz, die Barbaren in nächster
Nähe, ein schrecklicher Gedanke! Die Wahrheit war noch viel
schrecklicher!
"Mir ist vom Kaiser großer Ehre angetan worden. Ich soll den König der
Franken* zum Manne nehmen."
Das hieß, so erschraken
wir Mägde: Wir alle sollten zu den Barbaren! Na toll!
"Wann beginnt die
Reise?", fragte Ellisabeth.
"In fünf Tagen!", antwortete Theophanu. "Der Kaiser sagte mir, unser
Schiff müsse vor dem Winter in den süditalienischen Provinzen sein.
Wahrscheinlich werden wir den Winter in Tarent oder Bari verbringen,
das hängt davon ab, wie weit das Schiff fahren kann."
So
bald schon?, dachten ihre Mägde. "Dann müssen wir uns aber mit packen
beeilen!", rief Franziska hektisch.
"Ja, genau und deshalb werdet ihr jetzt gleich damit anfangen meine
Sachen zu packen!", sagte Theophanu in einem sehr herrischen
Tonfall. "Um meine Mitgift braucht ihr Euch nicht zu
kümmern, darum sorgt sich der Palast."
Es war auch so genug zu tun. Eilig fingen wir damit an, die besten
Gewänder unserer Herrin in die
Kisten zu packen. Als ich aus dem Fenster sah, bemerkte ich,
dass die Nachricht von Theophanus Abreise sich auch auf dem ganzen Hof
verbreitet hatte. Viele Menschen, adlige, aber auch das normale Volk,
hatten sich in kleinen Grüppchen eingefunden und tuschelten aufgeregt
miteinander.
Schnell schloss ich das Fenster wieder, da ich keine Lust hatte, mir
irgendwelche Gerüchte über Theophanus Abreise anzuhören:
Franziska und Elisabeth waren gerade dabei, die anderen Habseligkeiten
Theophanus einzupacken, als Theophanu mich ansprach:"Beauftrage den
Koch, uns nahrhafte, gute Speisen für die
Reise vorzubereiten. Ich möchte nicht auf die Vorräte der Seeleute
angewiesen sein. Ach, am Besten nehmen wir den Koch auch gleich mit."
Schneller als wir es dachten, war alles auf dem Schiff verpackt und wir
gingen an Bord. Ein Dromonkriegsschiff würde uns nach Italien bringen.
Zwei
weitere Kriegsschiffe würden uns zum Schutz vor arabischen Piraten
begleiten.
Nun konnten wir nur noch hoffen, dass wir in keinen Sturm geraten
würden. Alles weitere erfahrt ihr in Seefahrt
und Ankunft in Italien. Dort bitte weiter lesen.
* gemeint ist Otto I., den man am byzantinischen Hof nicht Kaiser nannte, da es nur einen römischen Kaiser, nämlich den in Konstantinopel geben konnte.
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