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Abenteuerteil: Die Weiterreise

Was in Rom geschah, erfahrt ihr im dritten Teil des Abenteuers ... Nun erzählt Rebekka, was auf der Reise nach Pavia geschah:

Frühling / Sommer 972 : Reise nach Pavia Reiseroute nach Pavia

Ende April verließen wir Rom. Unsere Reise ging über Ravenna und Brescia nach Pavia. Der Weg war keineswegs einfacher als als das letzte Mal, zumal er uns über die Apenninen führte. Aber diesmal durften auch wir Dienerinnen zu Pferd sitzen. Ritter Dietrich war unser persönlicher Beschützer.
Außer ein paar Rechtssprechungen, Bischofsernennungen usw., verlief die Reise recht ereignislos. Da wir einigermaßen schnell reisten, kamen wir auch recht schnell in Pavia an. Dort machten wir etwas länger Rast und nahmen Unterkunft in der Residenz der Adelheid war. Die zwei Herrscherpaare hatten hier ihre königlichen Pflichten auszuüben. Die Römerin Maria passte sich sehr schnell den Gegebenheiten an. Sie war für Franziska ein willkommener Ersatz, da uns deren ständige Beschwerden nicht mehr zu Ohren kamen. Maria musste den örtlichen Dialekt für uns übersetzen, da wir nur griechisch sprachen. Aber sie war eine gute Lehrmeisterin und brachte uns die Zungen der Italiener und der Franken bei.
Schwerer als wir hatte es da schon unsere Herrin. Und das lag an der Kaiserin Adelheid. Auch wenn Otto, der Sohn, versuchte,  seine Mutter von Theophanu zu überzeugen, hatte er damit nicht viel Erfolg, denn sie blieb stur bei der Meinung , dass diese nicht gut genug für ihn war.
Wie wir auch gehofft hatten, besaß Pavia um einiges mehr an Glanz als Rom, obwohl es kleiner war. Hier war einst Karl der Große, der mächtige Frankenkaiser, von dem wir selbst in Konstantinopel gehört hatten, zum König von Italien gekrönt worden. Anders als die improvisierte Pfalz in Rom war die Residenz der Adelheid sehr prunkvoll.
Kaiser Otto erledigte hier seine Regierungsgeschäfte und bereitete seine Rückreise nach Sachsen vor. Schon aus Rom hatte er seinen Kaplan Dodo mit vielen Heiligengebeinen vorausgeschickt. Schamlos hatten die sächsischen Ritter Gräber erbrochen und Knochen zusammengerafft. Von Pavia aus sandte er römische Säulen und anderen Schmuck mit schwerbeladenen Wagen voraus, um in Magdeburg für sein neues Erzbistum mehrere prunkvolle Kirchen zu bauen.
Auch viele seine Ritter litten unter Heimweh und sie tranken den Wein nicht mehr zum Genuß, sondern um sich zu trösten. Wenn uns aber Ritter Dietrich von seinen Wäldern und Flüssen vorschwärmte, litten wir sehr und fürchteten uns vor der Wildnis, die uns erwartete. Aber unsere Herrin tröstete uns: "Auch dort wird es Paläste für den Kaiser geben, und hat er sie nicht, werde ich dafür sorgen, dass sie gebaut werden." Unsere kleine Herrin war nun Kaiserin und sie schien sich in dieser Rolle sehr wohl zu fühlen, nur die ihr schlecht gesonnene Adelheid störte sie ihn ihrem Glück.

August 972 : Unser Weg über die Alpen

Von Pavia aus ging es später in das Kloster nach Sankt Gallen. Um dorthin zu kommen, mussten wir aber erst einmal durch die Alpen und das war noch schwieriger, als durch die Apenninen zu wandern. Für die Alpenüberquerung nutzten wir den Lukmanierpass/Lucomagnopass. Er war 1200 m hoch - für unseren Zug eine wahre Herausforderung! Zum Glück hatten wir gerade August, so dass wir nicht noch mit Eis und Schnee zu kämpfen hatten, sondern nur mit engen, steinigen Wegen und einer einer kleinen Gerölllawine hier und da. Der junge Otto ritt neben unserer Herrin und uns,Otto klaut Bücher heiterte uns mit Geschichten auf, zum Beispiel warum er "Otto der Rote*" hieß.
Am 14. August erreichten wir das Kloster.  Dort machten wir erst einmal Station. Dort erlebten wir den geistreichen jungen Otto von einer andere Seite. Während unsere Herrin mit dem alten Kaiser die Staatsgeschäfte besprach (sehr zum Leidwesen der alten Kaiserin), zog sich "der Rote" in die Klosterbibliothek zurück. Er konnte nicht nur lesen, sondern schien regelrecht hungrig nach Erkenntnis zu sein. Der alte Otto ließ ihn gewähren, denn:
"Wer studiert, macht keinen Aufstand. Ich stopfe ihn mit Bildung voll, damit er zu grummeln aufhört. Außerdem schadet es nicht, als Kaiser gebildet zu sein.", hörten wir ihn Kaiserin Adelheid gegenüber sagen.
Diese Studierleidenschaft machte allerdings den Mönchen in St. Gallen Kummer und Sorge, denn unser junger Herr ließ wertvolle Bücher und Pergamente einladen, um später seine Studien fortsetzen zu können.  Diese würden dem Kloster nun fehlen.
"Ich habe mir diese nur geliehen", lachte "der Rote" und sagte den Mönchen: "Sobald ich mit mit meiner Arbeit fertig bin, lasse ich Euch Euer Eigentum wieder zurücksenden."
Die Mönche sahen mit Bangen einen Teil ihrer wertvollen Schätze, Bücher und Schriftrollen, die man auf den Wagen verladen hatte, fortfahren.
Im letzten Teil berichtet Rebekka von der Ankunft in Magdeburg.

* "Otto der Rothe" wird Otto II. in den Magdeburger Annalen genannt, warum, kann uns leider auch die Magd Rebekka nicht verraten.

Inhalt:

Weblinks:

Das Reisekönigtum (Link von der Ottonenzeit).

Bildquellen:

Die Karte ist von der Wikipedia übernommen und wurde von der Bibinautika bearbeitet. Die Grenzen sind die heutigen. Die eingefügten Bilder stammen aus dem Film "Theophanu - Die mächtigste Frau des Abendlandes" aus der Reihe Geschichte Mitteldeutschlands des MDR.
Das zweite Bild ist gleichfalls ein Screenshot aus "Theophanu - Die mächtigste Frau des Abendlandes" aus der Reihe Geschichte Mitteldeutschlands des MDR.

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